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  • 11. Aug. 2014

    Foto: Elly Mainz - 2010“Oasen der Stadt - Friedhöfe sind mehr als letzte Ruhestätten” so lautete der Titel der WDR 4 Hörfunksendung “Mittendrin” am 9. August 2014.

    Friedhöfe sind Naherholungsgebiet, Kunstausstellung, Ausflugsziel - und sie sind voller Leben. Denn für Vögel, Insekten und Säugetiere sind die ruhigen Flecken in der Stadt wichtige Biotope. Besonders spannend sind Friedhöfe auch für Historiker: Auf Grabsteinen und Mausoleen findet sich manch ein Hinweis auf das Leben großer Persönlichkeiten und den Alltag früherer Zeiten.

    Weitere Informationen: www.wdr.de

    Hier die Sendung “Mittendrin” als Podcast zum Anhören.

    5. Sep. 2013

    Friedhofsgipfel 2013Der Friedhof verändert sich! Wie diese Veränderungen aussehen, worin sie sich gründen, welche weitreichenden Konsequenzen sie mit sich bringen und welche Chancen sich für die Zukunft unserer Friedhöfe daraus ergeben, waren Themen des 2. Friedhofsgipfels, der unter der Überschrift „Auf dem Weg zu neuen Traditionen” am 4. September in Köln auf dem Friedhof Melaten stattfand. Initiator der Veranstaltungsreihe „Friedhofsgipfel” ist die Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas e.V.. Bereits im Herbst 2012 hatte es das erste Treffen dieser Art auf dem Ohlsdorfer Friedhof in Hamburg gegeben. Geladen waren auch in diesem Jahr in Köln wieder Personen, die sich in ganz unterschiedlicher Art und Weise beruflich mit dem Friedhof beschäftigen - Steinmetze, Friedhofsgärtner und Friedhofsbetreiber ebenso wie Wissenschaftler, Journalisten und Buchautoren. Als Referenten konnten die Soziologen Matthias Meitzler und Dr. Thorsten Benkel von der Goethe-Universität Frankfurt sowie der niederländische Historiker Dr. Wim Cappers gewonnen werden.

    Friedhöfe bieten mehr

    Matthias Meitzler (re.) und Dr. Thorsten BenkelÜber „Individualität und sozialen Wandel auf dem Friedhof der Gegenwart” sprachen Meitzler und Benkel. Die beiden Soziologen führen seit 2010 ein Forschungsprojekt zum „Wandel der Bestattungskultur” durch. Sie zeigten auf, dass heute bei der Grabgestaltung religiöse Jenseitsaussichten oder kollektive Überbauten eine immer geringere Rolle spielen. Stattdessen rücke bei der Gestaltung von Grabstätten häufig der Blick auf das Leben des Verstorbenen in den Vordergrund. „Gräber werden immer bunter und ganz individuell mit Fotos oder auch Gebrauchsgegenständen geschmückt. Auf Grabsteinen finden sich heute private Lebensweisheiten, Hobbydarstellungen, Songtexte oder auch andere Verweise auf die Populärkultur”, beschrieb Meitzler die Veränderungen. „Mithilfe von sozialwissenschaftlicher Feldforschung auf bislang über 400 Friedhöfen im deutschsprachigen Raum können wir aufzeigen, dass dahinter ein sozialer Wandlungsprozess steht.”

     Historiker Dr. Wim Cappers „Die holländische Friedhofskultur in historischer Perspektive” stellte der Arnheimer Dr. Cappers vor. In vielen Publikationen der letzten Jahre wurden die liberalen Niederlande für ihren unkonventionellen Umgang mit dem Thema Sterben und Tod sowie für ihre vermeintlich vielfältige und deshalb attraktivere Bestattungskultur hervorgehoben. Beim Vortrag und in der anschließenden Diskussionsrunde in Köln stellte sich aber heraus, dass die deutsche Friedhofskultur in weiten Teilen mittlerweile wesentlich facettenreicher und lebendiger ist, als die des Nachbarlandes. „Überhaupt werden Friedhöfe hierzulande häufig unterschätzt”, zieht Christoph Keldenich, Vorsitzender der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas e.V., sein Resümee beim 2. Friedhofsgipfel. „Kein anderer Bestattungsort bietet eine solche Wahlfreiheit, was Beisetzungsart und die anschließende, individuelle Gestaltung der Grabstätte angeht.” Das habe auch die morgendliche Führung der Friedhofsgipfel-Teilnehmer auf dem Friedhof Melaten deutlich gezeigt. Ob Erdbestattung oder Urnenbeisetzung, klassische Familien- oder Einzelgrabstätten, anonymes Gräberfeld, pflegefreies Wiesengrab, gärtnerbetreute Bestattungs-, Themen- oder Memoriamgärten - diese Vielfalt und natürlich die besondere Atmosphäre der Orte sei es, die unsere Friedhöfe ausmache und ihnen auch langfristig einen festen Platz in der deutschen Kultur geben würde. Anlagen mit wenigen Angeboten und allzu strengen Friedhofsatzungen, die die Wünsche nach Vielfalt und Individualität verwehrten und die Entwicklung neuer Traditionen nicht zuließen, würden dagegen von den Menschen heute oft als unattraktiv empfunden.

    Preisverleihung: Das schönste Grabmal Deutschlands

    friedhofsgipfel-2013_03.jpgIm Rahmen des Friedhofsgipfels in Köln fand auch die Preisverleihung für die Gewinner des diesjährigen Grabmal-TEDs statt. Von April bis August konnte unter grabmal-ted.de über das beste Grabmal Deutschlands abstimmt werden - rund 50.000 Besucher verbuchte die Seite in diesem Zeitraum. 19 Gestalter hatten im Vorfeld 31 Vorschläge eingereicht. Gewonnen hat ein Grabmal von Bernd Foerster aus dem nordhessischen Homberg (Efze). Auf die folgenden Plätze wählten die Internetnutzer eine Arbeit des Metallgestalters Karl Winfried Vogel aus Fulda und ein weiteres Grabmal von Foerster. Der Grabmal-TED fand in diesem Jahr bereits zum achten Mal statt. Zugelassen waren diesmal nur in Deutschland hergestellte Grabmale aus einheimischen Materialien.

    14. Jan. 2013

    06.01.2013 - Foto: Roland Moers - 2010In Bogenhausen ist ein makabrer Wettlauf ausgebrochen: Betagte Mitglieder der höheren Gesellschaft wollen auf den kleinsten und feinsten Münchner Friedhof. Der ist aber beinahe voll. Das schreibt jetzt die Münchner Abendzeitung.

    Es gibt definitiv schlechtere Gesellschaft für die Ewigkeit als Erich Kästner, Rainer Werner Fassbinder, Bernd Eichinger oder Liesl Karlstadt. So kommt es, dass der Bogenhausener Friedhof derzeit bei betagteren Münchner Promis hoch im Kurs stehe. Das berichtete niemand anderes als Oberbürgermeister Christian Ude, an den die Wünsche nach einem Platzerl auf Münchens nobelstem Totenacker herangetragen werden. „Die gesamte Münchner Schickeria, die über 80 ist, redet nicht mehr über VIP-Lounges, sondern über Bogenhausen”, so Ude in gewohnt kabarettistischer Zuspitzung.

    Quelle: www.abendzeitung-muenchen.de am 06.01.2013

    20. Sep. 2012

    FriedhofsgipfelDie Diskussion um die Vielfalt der Bestattungsformen ist heute so kontrovers wie nie zuvor, und der Friedhof verliert als klassischer Ort der Trauer zunehmend seine Monopolfunktion. Dennoch: „Der Friedhof geht nicht unter, er wandelt sich”, das ist das Resümee, das Christoph Keldenich, Vorsitzender der Verbraucherinitiative Bestattungskultur Aeternitas e.V., am Ende des 1. Friedhofsgipfels zog, der am 18. September 2012 in Hamburg unter dem Motto „Trauer und Trost im 3. Jahrtausend” stattfand. Vertreter der Branchen, die mit dem Friedhof zu tun haben, Wissenschaftler, die das Thema erforschen, sowie Journalisten, Buchautoren und Verleger, die diesem Thema offen gegenüber stehen, hatten sich im neuen Bestattungsforum des Ohlsdorfer Friedhofs einen Tag lang zusammengesetzt, um zu erörtern, wie sich die Bestattungskultur in Deutschland verändert und wie die Friedhöfe von morgen aussehen könnten.

    Überhang

    Die Stadtplanerin Prof. Dr. Gerlinde Krause von der Fachhochschule Erfurt zeigte bei der Veranstaltung auf, dass es derzeit in Deutschland auf 32.000 Friedhöfen etwa 15.000 Hektar so genannter Überhangflächen gibt. Das sind Friedhofsflächen, die derzeit nicht belegt sind, aber für Pflege und Instandhaltung im Jahr Kosten von rund 300 bis 500 Mio. Euro verursachen. Das große Überangebot an Flächen habe verschiedene Gründe: Zum einen gab es aufgrund der höheren Lebenserwartung in den letzten Jahrzehnten deutlich weniger Sterbefälle, zum anderen ist die Zahl der Feuerbestattungen mit anschließender flächensparender Urnenbeisetzung erheblich angestiegen. Insgesamt liegt der Anteil der Urnenbeisetzungen in Deutschland derzeit bei knapp über 50 Prozent; Tendenz steigend: In einzelnen Regionen in Ostdeutschland ist er bereits bei 90 Prozent. Auch alternative Bestattungsorte wie Friedwälder, Kolumbarien oder die Seebestattung nehmen zu, spielen aber insgesamt noch keine so bedeutende Rolle.

    Nicht nur in Deutschland, sondern in vielen anderen europäischen Ländern haben sich die Friedhofsbetreiber dem Problem der Überhangsflächen zu stellen. Derzeit wird überall intensiv nach wirtschaftlichen Umnutzungsmöglichkeiten dieser Flächen gesucht. Die Ideen sind vielfältig: Über die Nutzung als öffentliche Parks, Sportstätten, Tierfriedhöfe, Kleingartenanlagen, Kleinwindanlagen und sogar die Freigabe zur Bebauung wird nachgedacht. Aeternitas hat bereits 2009 dazu die Ideensammlung „Inwertsetzung von Friedhofsüberhangsflächen - Beispiele für Folgenutzungen” des Landschaftsplaners Andreas Morgenroth veröffentlicht.

    … älter, bunter und einsamer …

    Unsere Gesellschaft und die Art wie wir zusammen leben wird sich in den nächsten Jahren weiter verändern und das hat auch Folgen für die Friedhofskultur. Wir werden „weniger, älter, vielfältiger, bunter und einsamer”, lautet die Prognose von Krause. Da immer weniger Kinder geboren werden, nimmt die Anzahl der Bevölkerung insgesamt ab. Durch diesen demographischen Wandel gibt es mehr Alte. Was bedeutet, dass die Sterbefälle in den kommenden Jahren wieder deutlich zunehmen werden. „Das Sterben wird bis ins Jahr 2050 allgegenwärtig sein”, so Krause. Dennoch werden nicht zwangsläufig mehr Friedhofsflächen benötigt, denn der Trend zur Feuerbestattung wird anhalten. Die Abkehr von den Religionen, veränderte Familienstrukturen, die zunehmende Mobilität und die Kosten für die Beisetzungen sind nur einige Faktoren, die für diese These sprechen. Krause prognostiziert, dass aufgrund all dieser Entwicklungen vor allem die Friedhöfe im ländlichen Raum Probleme haben werden.

    Neue Strukturen

    Der Hamburger Sozial- und Wirtschaftshistoriker Prof. Dr. Norbert Fischer erforscht seit langem, wie sich das Erscheinungsbild der Friedhöfe wandelt. Er geht davon aus, dass es durch die geringer werdende Zahl der klassischen Familien- und Einzelgrabstätten zukünftig zu einer Veränderung der gesamten Struktur vieler Anlagen kommen wird. Deutliche Anzeichen dafür gäbe es derzeit überall zu beobachten. Vor allem so genannte Memoriamgärten würden vielerorts bald das Bild bestimmen. Diese Gärten sind kleine Naturlandschaften, die zumeist thematisch angelegt sind und bei denen Gräber ausschließlich mit Verträgen zur Dauergrabpflege verkauft werden. Abgrenzungen um einzelne Gräber gibt es nicht. Die Natur ist zumeist bei der Gestaltung Vorbild und auch das Element Wasser wird gern einbezogen. Die namentliche Erinnerung erfolgt nicht zwangsläufig genau an dem Ort, an dem der Verstorbene beigesetzt wurde.

    Es geht weiter

    Und auch sonst wird sich das Bild der Friedhöfe und Grabstätten weiter wandeln. „In der Zeit vor 1995 hat man den Gefühlen auf Friedhöfen häufig kaum Raum gelassen”, so Fischer. Danach wäre die Grab- und Grabsteingestaltung viel individueller geworden und persönliche Erinnerungsstücke wie kleine Engel, Plüschtiere, Fotos, Briefe und vieles mehr hätten Einzug in den öffentlichen Raum gehalten. Diese Entwicklung würde sich weiter fortsetzen; zukünftig rückten Leben und Tod auch wieder näher zusammen. Friedhöfe würden dann nicht mehr unbedingt nur Orte zum stillen Gedenken sein. Vielerorts denke man bereits darüber nach, Cafés als Begegnungsstätten oder Kinderspielplätze auf Friedhöfe zu integrieren - oder habe dies bereits umgesetzt.

    Dass die Geschichte des Friedhofs immer weiter geht und sich gesellschaftlichen - aber auch technischen - Entwicklungen anpasst und Neues aufgreift, wurde von zwei Steinbildhauern beim Friedhofsgipfel in Hamburg besonders deutlich veranschaulicht. Timothy C. Vincent und Andreas Rosenkranz arbeiten derzeit beide daran, QR-Codes in die Grabmalgestaltung zu integrieren. Über das Smartphone hat der Besucher der Grabstätten so direkt eine Verbindung zu Webseiten, auf denen der Verstorbenen gedacht wird. Auf diese Weise wird eine Brücke geschlagen zwischen virtueller Welt - die in den letzten Jahren für die Trauer der Hinterbliebenen eine zunehmende Bedeutung erlangt hat - und dem realen Beisetzungsort.

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